Arbeitskreis Igelschutz Berlin e.V.


Igelpflege

Unterbringung der Igel während der Pflege in den Igelstationen

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Igelpflege: Unterbringung in menschlicher Obhut

Igel sind Einzelgänger. Jeder Igel braucht also ein eigenes Gehege. Nur ganz junge Igel aus einem Wurf vertragen sich eine Zeitlang miteinander. Ein Igelgehege soll mindestens 2 qm groß und absolut aus-bruchsicher sein. Die Höhe der Seitenwände muss mind. 50 cm betragen. Am besten fertigt man das Gehege aus gut zu reinigenden, beschichteten Span- oder Hartfaserplatten an und stattet es wegen der Wärmedämmung auch mit einem Boden aus. Diesen bedeckt man mit mehreren Lagen Zeitungspapier (nicht mit Sägemehl, Katzenstreu, Torf o.ä.), das täglich(!) zu wechseln ist. Zeitweise können auch grö-ßere Kleintierkäfige als Gehege genutzt werden. Auch diese müssen mit mehreren Lagen Zeitungspapier ausgelegt werden.

Solange der Igel krank ist, muss er in einem Raum mit Zimmertemperatur (18° bis 20°C) und Licht-einfall untergebracht werden. Stark belebte Räume (Küche, Kinderzimmer) sind für den sehr geräu-schempfindlichen Igel ungeeignet!

Ernährung der Igel während der Pflege 

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Igelpflege: Ernährung und Futter für den Igel

Igel sind Insektenfresser. In der Pflegezeit soll man sie jedoch nicht mit Schnecken oder Regenwürmern füttern, denn diese können Innenparasiten übertragen.


"Grundnahrungsmittel" sind Katzen- oder Hundenassfutter in Gelee od. Pastete, Eier (hartgekocht oder als Rührei), Geflügelfleisch (gekocht), Hühnerherzen (gekocht) und Rinderhackfleisch (roh nur ganz frisch, sonst kurz angebraten).

Als darunter zu mischende "Ballaststoffe" (zur guten Verdauung nötig!) kommen Haferflocken, Weizenkleie und das in Zoohandlungen erhältliche Igeltrockenfutter infrage. Fehlen diese Ballaststoffe, wird der Kot dünn, schmierig und stinkend. Achtung: Igeltrockenfutter nicht wie auf den Packungen angeben als Alleinfutter verwenden!!!  Während der Genesungsphase des Igels fügt man der Nahrung täglich etwa eine Messerspitze vitaminisierten Futterkalk bei.

Das Mischungsverhältnis: z.B. zwei Teile Dosenfutter und ein Teil Igeltrockenfutter.

Zum "Zähneputzen" gibt man mindestens zweimal pro Woche gekochtes enthäutetes Hühnerklein mit den Knochen oder Katzentrockenfutter. 


Gefüttert wird einmal am Tag und zwar abends. Futter und Wasser (keine Milch!) gibt man in flachen, kippsicheren Glas- oder Porzellannäpfchen. Futterreste wegwerfen, Näpfe täglich heiß spülen!

Die Nahrungsmenge hängt vom Körpergewicht des Igels ab. Ein mittelgroßer Igel frisst etwa die Menge, die einen 150g Joghurtbecher füllen würde. Maßgebend ist aber vor allem die Gewichtszunahme (anfangs alle zwei Tage, später wöchentlich wiegen!). Zu Beginn der Pflege sollte der Igel mind. wöchentlich 70 bis 100 g, später 50 bis 70 g zunehmen.

Futterrezept

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Igelpflege: Futterrezept
  • 1 Büchse Hunde- oder Katzenfutter (800g) oder
  • die gleiche Menge Hühnerfleisch ( muß wegen der Salmonellengefahr unbedingt abgekocht werden.)
  • 1/2 Büchse Hunde- oder Haferflocken
  • 2 Esslöffel Weizenkleie
  • 1 Esslöffel Speiseöl oder ein anderes hochwertiges Pflanzenöl mit großem Anteil mehrfach gesättigter Fettsäuren.
  • 1 Messerspitze Futterkalk 
  • Vitamine
  • eine Handvoll Igeltrockenfutter (das im Handel erhältliche Igeltrockenfutter ist nur als Zusatztrockenfutter zu verwenden!)


Die Büchse können Sie als Messbecher verwenden. Bei kleineren Büchsen entsprechend weniger Zutaten nehmen. Bitte alles gut durchmischen und dann portionsweise einfrieren.

Zu trinken geben wir täglich frisches Wasser. KEINE MILCH, denn davon bekommt der Igel Durchfall, der für ihn tödlich sein kann.


Krankheiten

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Igelpflege: Krankheiten

Weist ein Igel keine äußeren Verletzungen auf, dann sind wahrscheinlich Innenparasiten an seiner Schwäche und Magerkeit schuld. Zu den Innenparasiten zählen Darmhaar- und Lungenwürmer. Auch Kokzidien und Bandwürmer gehören dazu. Ein geringer bis mittelgradiger Befall mit Innenparasiten ist bei Wildtieren normal; ein Massenbefall jedoch, gar verbunden mit Nahrungsmangel oder Schwächung durch Säuglingsaufzucht, kann tödlich sein.


Nahrungsverweigerung, Husten oder röchelndes Atmen sind z.B. sichere Anzeichen für einen massiven Lungenwurmbefall.

Andere Krankheitsanzeichen: Grüner, schleimiger, stinkender, mit Blut durchsetzter Kot, Durchfall, Blutungen aus Mund, Nase oder Darm, Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen, Apathie, schorfige Beläge auf der Haut, Abszesse, erheblicher Stachelausfall, Krämpfe (nicht mit plötzlichen Zusammen-zucken oder Einrollen des Igels verwechseln!), blasse Schleimhäute, geschwollene Beine. Neben den durch Parasiten verursachten Krankheiten treten bakterielle Infektionen (z.B. Salmonellen) und Pilzerkrankungen auch bei Igeln zunehmend auf.
Daher: Zögern Sie den Gang zu einer Igelstation oder einem igelkundigen Tierarzt nicht hinaus! Weder Wärme noch Futter können eine der angeführten Krankheiten heilen!


Beachten Sie im Umgang mit dem Igel die Grundregeln der Hygiene! Nach jedem Kontakt müssen die Hände gründlich gewaschen werden!

Winterschlaf in menschlicher Obhut

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Igelpflege: Winterschlaf in menschlicher Obhut

Erreicht ein in menschlicher Pflege genommener Jungigel ein für den Winterschlaf ausreichendes Gewicht (500g bis 600g) erst sehr kurz vor Wintereinbruch oder gar danach, kann er nicht mehr ausgesetzt werden. Doch muss man ihm auch bei häuslicher Überwinterung Gelegenheit zum Winterschlaf geben.

Zu diesem Zweck stellt man sein Gehege in ein kaltes Zimmer, auf den Balkon, auf die Terrasse, in ein Gartenhäuschen oder baut ein Freigehege im Garten. Kellerräume sind meist ungeeignet, weil sie zu warm sind. 
Die Umgebungstemperatur kann der Außentemperatur entsprechen, sollte jedoch 6°C nicht übersteigen. Bei höheren Temperaturen fällt der Igel nur in einen kräftezehrenden "Dämmerschlaf", in dem er weder fressen noch Winterschlaf halten kann.